Wir sind

Wir sind aktuell 24 Erwachsene zwischen 30 und 73 Jahren und 12 junge Mitbewohner*innen zwischen 0 und 14 Jahren und haben ein Energie-Plus-Haus im Berliner Weitlingkiez gebaut. Als Gruppe engagierter Menschen verschiedenen Alters, sexueller Identität und Herkunft wohnen wir gemeinschaftlich und möglichst ressourcenschonend in Lichtenberg. Mit dem Projekt LaVidaVerde realisieren wir so eine in unserer Gruppe entwickelte Idee von zukunftsorientiertem Wohnen und Leben in Berlin.

Wir haben den Hausbau mit Bankkrediten, Förder- und Stiftungsgeldern finanziert. Zudem haben uns Freund*innen und Unterstützer*innen Direktkredite in Höhe von etwa einer Million Euro zur Verfügung gestellt.

Unsere Ziele

Selbstbestimmung und solidarisches Miteinander

Wir sind gleichzeitig Mieter*innen und Vermieter*innen und verwalten unser Haus selbst. Entscheidungen treffen wir im Konsens, d.h. alle Entscheidungen im Haus werden von den Mitbewohner*innen gemeinsam getroffen und getragen. Diese Art der Entscheidungsfindung ist nicht immer der einfachste Weg und oft langwierig. Auf unseren Plenen wird häufig heiß diskutiert und um gemeinsame Lösungen gerungen. Wichtig im Gruppenprozess ist uns dabei vor allem gegenseitiger Respekt und der konstruktive Umgang mit Konflikten.

Wir sind Mitglied im Mietshäuser Syndikat, das bundesweit mehr als 100 Häuser mit ähnlicher Organisationsstruktur vernetzt und unterstützt. Durch diese Organisationsform ist rechtlich ausgeschlossen, dass wir uns als Hausgemeinschaft in der Zukunft für einen Verkauf und damit eine Privatisierung der Sophienstraße 35 entscheiden können. Nur so ist garantiert, dass das Haus langfristig dem Immobilienmarkt entzogen wird und dadurch stets im Besitz derer ist, die darin wohnen.

Mit unserem Hausprojekt im Berliner Weitlingkiez setzen wir ein Zeichen für solidarisches Miteinander. Wir treten aktiv und entschlossen gegen Diskriminierung und Ausgrenzung aufgrund von Aussehen, Hautfarbe, Sprache, Herkunft, Religion, sexueller Identität oder Lebensweise ein.

Ressourcensparendes Wohnen

Wir gehen möglichst bewusst mit Ressourcen wie etwa Strom und Wasser etc. um und teilen uns Geräte und Gebrauchsgegenstände, wie etwa Waschmaschinen, Autos, Werkzeug und die einzige Badewanne im Haus. Das Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, mit Sonnenkraft und Wärmerückgewinnung mehr Energie zu erzeugen als das Haus selbst benötigt (“Energie-Plus-Haus”). Wir wollen unseren Verbrauch nicht-erneuerbarer Ressourcen und den CO2-Ausstoß des Hauses gegenüber dem durchschnittlichen Verbrauch in der Bevölkerung minimieren. Dies erreichen wir durch…

… eine auf optimale Dämmung ausgerichtete Architektur mit wenigen Wärmebrücken und einer Fassade ohne Vorsprünge, Erker oder eingebaute Balkone.

… ein Dach mit Photovoltaikmodulen, das Energie zur Warmwasserbereitung und Deckung des Strombedarfs liefert. Perspektivisch wollen wir zudem unseren Überschussstrom an die Nachbarschaft verkaufen.

… die Regenwassernutzung für die Gartenbewässerung.

… die Grauwasseraufbereitung mit einer Pflanzenkläranlage im Garten, UV- und Ultrafiltern. Hier haben wir schon viel geplant, suchen aber noch nach Möglichkeiten, unsere Pläne umzusetzen.

… die gemeinsame Nutzung von Räumen und Garten.

Ein Haus mit Modellcharakter

Wir wollen unsere Lösungen zu technischen und organisatorischen Fragen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. In dem Zusammenhang zeigen wir interessierten Gruppen das Haus und erläutern seine Technik und unser Zusammenleben.

Im Rahmen der Modellprojektförderung  der Forschungsinitiative „Zukunft Bau“ führen Prof. Susanne Rexroth und Sebastian Dietz von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) über einen Zeitraum von zwei Jahren ein Gebäude-Monitoring durch, mithilfe dessen die Energieeffizienz unseres Hauses untersucht, Verbesserungspotenziale aufgezeigt und die Wirtschaftlichkeit dargestellt wird.

Wir möchten unmittelbar in unsere Wohnumgebung hineinwirken und stellen so z.B. auch unsere Gemeinschaftsräume zur Mitnutzung durch Kiezprojekte zur Verfügung.

Es bestehen zudem Pläne zur Einrichtung eine Elektrofahrrad-„Tankstelle“, die wir mit eigenem Strom versorgen wollen.

Grundstück, Bebauung, Akteur*innen

Das Grundstück wurde 2012 von uns erworben. Nach einer Bauzeit von fünfzehn Monaten sind wir im August 2014 eingezogen. Die Gesamtfläche des Grundstücks beträgt 1.146 m², von denen ca. 800 m² die Gartenfläche ausmachen. Die Wohnfläche des Erdgeschosses und der drei Obergeschosse beträgt insgesamt rund 1.200 m² verteilt auf 18 Wohneinheiten.  Die Wohnungen haben ein bis vier Zimmer; vier von ihnen sind bei Bedarf zusammenlegbar, um größeren Wohngemeinschaften Platz zu bieten. Alle Wohnungen sind mit Wohnküchen ausgestattet.

Im rollstuhlgerechten Erdgeschoss gibt es ca. 135 m² Gemeinschaftsfläche. Dazu gehört ein ca. 40 m² großer Veranstaltungsraum. Dieser Raum ist von außen begehbar, um öffentliche Veranstaltungen zu ermöglichen. Darüber hinaus gibt es eine Gemeinschaftsküche, die bei solchen Gelegenheiten mitgenutzt werden kann. Dort finden auch unsere Plenen statt, gemeinsame Partys, Kochabende und so weiter. Eine kleine Gästewohnung bietet Platz für Besuch.

Bei dem Bau unseres Hauses haben wir mit der Architektin Irmina Körholz und dem Projektplaner Ferdinand Beetstra zusammengearbeitet. In der letzten Bauphase hat uns der Projektsteurer Jörg Mauer unterstützt. Darüber hinaus haben wir mit dem Projektbüro Kintlein & Ose die LaVidaVerde Energie GmbH & Co. KG gegründet mit denen wir unsere Photovoltaikanlage betreiben.

Stand (Text): September 2016

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Foto der Hausgemeinschaft LaVidaVerde (Stand: Mai 2014); 2 Erwachsene und 2 Kinder nicht abgebildet